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Studienfahrt der
Klasse 10 a nach Dachau
Um
unser Gelerntes durch ein bisschen praktische Erfahrung zu vertiefen, wurde
uns eine Studienfahrt nach Dachau ermöglicht. Zusammen mit unserem
Klassenleiter, Herrn Berl, versammelten wir uns auf dem Appellplatz des KZs
Dachau.

Dort erwartete uns bereits ein netter, älterer Mann, der uns für einige
Stunden unter seine Fittiche nahm und uns diese besondere Gedenkstätte
zeigte. Er versorgte uns mit genauen Informationen über das Arbeitslager
Dachau - das ebenfalls eine große Rolle als Vorzeigelager spielte - und ging
am Ende der Führung auf unsere Fragen ein.

Außerdem bestätigte er unser vorheriges Wissen aus dem Geschichtsunterricht,
indem er uns folgendes über Dachau berichtete:
Das
Gelände der KZ-Stätte wurde damals – wie auch heute – von einem
Sicherheitszaun aus Stacheldraht umfasst. Damit kein Gefangener fliehen
konnte, befanden sich mehrere Wachtürme an dessen Seiten und außerdem war
zum Verhindern einer Flucht ein sogenannter Todesgraben vorhanden, der es
den Inhaftierten nur sehr schwer möglich machte, ihn zu überwinden. Von den
damals 34 Baracken – 17 auf jeder Seite – sind heute nur noch zwei
originalgetreue Nachbildungen vorhanden. Das Wirtschaftsgebäude, die
Wachtürme, das SS–Gebäude, das Krematorium und der Bunker blieben in ihrer
Urform erhalten. Damit die unterschiedlichen Gruppen, denen die Häftlinge
angehörten, unterschieden werden konnten, wurden sie mit verschiedenfarbenen
Winkeln gekennzeichnet (Juden trugen beispielsweise einen gelben
Judenstern). Das Konzentrationslager Dachau wurde 1933 gegründet und diente
nur als Arbeitslager und nicht als Vernichtungslager, indem anfangs vor
allem politische Gegner, Geistliche und Juden inhaftiert waren. Später
wurden neben diesen Gruppen auch Berufsverbrecher, Asoziale, Zeugen Jehovas,
Sinti und Roma und Homosexuelle im Lager Dachau festgehalten. Wie oben
erwähnt war Dachau einzig und allein ein Arbeitslager, indem die Gefangenen
durch schwere körperliche Arbeit vernichtet wurden. Zum Tod trugen unter
anderem auch die menschenverachtenden Verhältnisse bei, die im KZ
vorherrschten. So wurde das Lager Dachau zum Beispiel für 5 000 Personen
errichtet, und war teilweise mit bis zu 30 000 Personen ständig überbelegt.

Ein
besonderes Merkmal des Arbeitslagers Dachau ist die Tatsache, dass es
international zugänglich war. Das heißt, dass es sehr bekannt war, da es ein
Vorzeigelager war, und als „Muster“ für andere KZs diente. Diese
Besonderheit ist die Ursache für zwei verschiedene Sichtweisen, aus denen
man das KZ Dachau betrachten kann. Allein durch die äußere Form, wie den
zahlreichen Alleen und den reinlichen Baracken, wäre ein Außenstehender nur
schwer auf die Idee gekommen, dass die inhaftierten Menschen unter den
grausamsten Bedingungen zu leben hatten, und das der äußere Schein trügen
könnte. In Wahrheit kamen hinter den Mauern des Arbeitslagers nämlich rund
27 500 Menschen ums Leben, die zum Teil den Misshandlungen durch die SS, der
Arbeit, und den allgemeinen Umständen, wie fast keine Nahrung, Einzelhaft,
Auszehrung, und verschiedenen Krankheiten erlagen. Eine gefürchtete, aber
sehr häufige Seuche war vor allem Typus.
Die
meisten Toten wurden im Krematorium verbrannt oder in Massengräbern
verscharrt.

Mit
Sicherheit kann man sagen, dass die Gaskammern des Lagers Dachau nie in
Betrieb genommen wurden, da die restlichen, noch lebenden Gefangenen vorher,
genauer gesagt am 29. April 1945, von den Amerikanern befreit worden sind.
Zur
Abrundung unserer Führung konnten wir dann Fragen stellen und uns noch kurze
Zeit frei auf dem Gelände bewegen. Anschließend bot sich uns die Möglichkeit
einen Film über das Arbeitslager anzusehen.
Die Meinung über das schlimmste
oder eindrucksvollste Erlebnis an diesem Tag ging sicherlich in verschiedene
Richtungen. Für uns war es genau dieser Film, der viele von den grausamen
Taten, die die SS vollbracht hatten, nochmals zeigte. Obwohl wir bereits im
Unterricht davon hörten und auch während der Führung vieles darüber erzählt
bekamen, so waren wir besonders von diesem Filmstreifen betroffen und
schockiert.
Da
wir an einem wettermäßig schönen Tag die Gedenkstätte des Lagers Dachau
besuchten, konnten wir dem Gelände die Grausamkeit, die sich hinter seinem
unüberwindbaren Zaun abspielte bei unserer Ankunft noch nicht erahnen. Wir
begegneten Dachau ebenfalls von zwei Seiten, wie es schon damals, als es
noch ein Vorzeigelager war, geschah. Von außen der friedliche Schein, der
gewahrt wurde, aber dahinter die unvorstellbare Erbarmungslosigkeit und
Härte, die sich vor rund 60 Jahren vor unseren Augen und gegenüber unseren
Mitmenschen abgespielt hat.
Unsere Meinungen in der Klasse gehen sicherlich auch darüber auseinander, ob
es nicht besser wäre, diese Geschehnisse auf sich beruhen zu lassen und sie
zu vergessen. Dazu eine Einigung zu finden, dürfte fast unmöglich sein. Es
zu vergessen und zu riskieren, dass sich diese Morde wiederholen könnten,
ist bestimmt nicht der richtige Weg. Man sollte es nie aus den Augen
verlieren und auch wenn das untenstehende Zitat nicht ausnahmslos auf die
Situation in Dachau passt, so drückt es für uns doch etwas Wesentliches aus:
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Man muss sich erinnern:
Aber woran müssen wir uns erinnern?
Nur, wie sechs Millionen Juden
gestorben sind?
Oder wie sie gelebt haben?
Arthur Hertzberg |
Maria Danner, Simmel Jasmin
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