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Bericht aus dem Straubinger Tagblatt

 

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Zehn Jahre Frauenhaus und Frauennotruf: Festakt im Salzstadel mit Vortrag und Vernissage

Zuflucht finden und Kraft schöpfen

Frauenhaus bietet Sicherheit - 38 Ehrenamtliche sorgen für 24-Stunden-Notfallbereitschaft

„Gewalt gegen Frauen ist keine Privatangelegenheit", stellte Silvia Wallner-Moosreiner vom Sozial­dienst katholischer Frauen (SkF) in München klar. Anlässlich der Fest­veranstaltung zum zehnjährigen Bestehen des Frauenhauses in Straubing blickte die Referentin zurück auf die Geschichte der Frauenhäuser in Bayern und unterstrich deren Notwendigkeit. Als Caritas-Vorsitzender wünschte Markus Pannermayr dem Frauenhaus, dass es in zehn Jahren nicht mehr gebraucht werde. „Aber das ist leider eine Utopie."

Vor zehn Jahren hat der dem Caritasverband angegliederte Verein „Haus für das Leben" die Trägerschaft für das Frauenhaus und den Frauennotruf übernommen. Im Jahr 2004 fanden dort 37 Frauen und 25 Kinder Zuflucht. Viele Ehrengäste zeigten sich am Montagabend im Salzstadel solidarisch mit den phy­sisch und psychisch misshandelten Frauen. Für Musik sorgten die Saxophoniker.

Schülerinnen der Ursulinen-Realschule hatten bei einem Gottesdienst Geld für die Einrichtung gesammelt. Gemeinsam mit Religionslehrer Emmeram Strohmeier überreichten Daniela Bauer, Melanie Groß und Dana Lehner der Vorsitzenden des Frauen­haus-Fördervereins, Gertrud Gruber, einen Scheck über 500 Euro.

Insgesamt gibt es in Bayern 38 Frauenhäuser, 13 davon sind in katholischer Trägerschaft. Gewalt gegen Frauen sei ein Phänomen, das bis vor 35 Jahren in der Öffentlichkeit überhaupt kein Thema gewesen sei, so Silvia Wallner-Moosreiner in ihrem Festvortrag. Betroffene Frauen hätten die Verletzungen oft als Unfall vertuscht, Nachbarn oder Verwandte schwiegen. Erst die Frauenbewegung in den 70er Jahren habe dieses Tabu gebrochen und häusliche Gewalt zum Thema gemacht.

Verlust des Selbstwertgefühls

Neben physischen Übergriffen hinterlasse auch die psychische Gewalt tiefe Spuren bei den Frauen. „Sie werden bedroht, unterdrückt, beschimpft, lächerlich gemacht, erniedrigt oder eingesperrt." Die Beziehungen dauerten oft viele Jahre, die Gewalt nehme mit der Zeit immer mehr zu. „Die Frauen verlieren dabei jegliches Selbstwertgefühl."

Im Frauenhaus sei nicht nur der Schutz vor dem aggressiven Ehemann gewährleistet, die Frauen bekämen auch kompetente Beratung, wie sie ihr Leben wieder in den Griff kriegen können, betonte Silvia Wallner-Moosreiner.

Erste Forderungen nach einem Frauenhaus in Straubing habe es 1987 gegeben, erinnerte Gertrud Gruber, Vorsitzende des Frauenhaus-Fördervereins. „Zunächst ging aber nichts voran." Im Herbst 1992 sei schließlich von zwölf Frauen ein Förderverein gegründet worden, um die Öffentlichkeit auf das Schicksal vieler Frauen aufmerksam zu machen. Dann habe es noch drei weitere Jahre gedauert, bis das Projekt Frauenhaus endlich habe umgesetzt werden kön­nen. Die Trägerschaft übernahm die Caritas mit dem Verein „Haus für das Leben".

Unbürokratische Hilfe

Oberbürgermeister Reinhold Perlak würdigte das Engagement der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Frauenhauses. Kommune und Staat könnten leider oft keine schnelle und unbürokratische Hilfe bieten, bedauerte Perlak. Hier springe dann der Verein „Haus für das Leben" ein. Auch stellvertretende Landrätin Christa Heisinger schloss sich dem Lob an. „Gewalt in der Familie ist leider kein Einzelfall."

Caritas-Vorsitzender Markus Pannermayr sagte dem Frauenhaus- und notruf weiterhin seine Unterstützung zu. Es sei schlimm, dass im 21. Jahrhundert, in dem Menschen via Internet und Telefon weltweit miteinan­der in Kontakt treten können, zwischen vielen Menschen dennoch eine Mauer des Schweigens herrsche. Häusliche Gewalt gebe es vielerorts, auch dort, wo man sie nicht vermute. Durch die Arbeit des Frauenhauses sei ein tabuisiertes Thema in die Öffentlichkeit gerückt worden.

Das Frauenhaus solle ein verlässlicher Zufluchtsort für geschlagene Frauen und Kinder sein, sagte Brigitte Messerschmitt. Der Frauennotruf (Telefon 09421/830486) biete rund um die Uhr die Möglichkeit, Hilfe zu holen. Die Vorsitzende des Vereins „Haus für das Leben" ehrte die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen, Reinhold Perlak und Christa Heisinger überreichten jeder Helferin eine Rose und ein kleines Präsent.

Abschließend eröffnete der Künstler Jerome Nimmersatt seine Ausstellung, mit der er den Betrachter emotional packen möchte
(siehe Bericht
auf Seite 32)                                         -wes-

 

Sie können das Frauenhaus per Email erreichen unter: frauenhaus@caritas-straubing.de

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